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Fachwissen

Reinraumlüftung nach EU-GMP Annex 1: worauf es bei Planung und Umbau ankommt

Fachwissen · PCM-Reichl · Stand 17. Oktober 2026

Kurz gesagt: Für die Herstellung steriler Arzneimittel gilt seit dem 25. August 2023 die überarbeitete Fassung von Annex 1 des EU-GMP-Leitfadens. Sie legt Reinheitsklassen, Druckunterschiede, Strömung und Prüfintervalle fest, die die Lüftungsplanung unmittelbar bestimmen. Wer diese Werte von Anfang an in Auslegung und Dokumentation übernimmt, qualifiziert ohne Umwege – auch beim Umbau im laufenden Betrieb.

Für wen Annex 1 gilt

Annex 1 regelt die Herstellung steriler Produkte. Einzelne Grundsätze kann ein Hersteller auch für nicht sterile Produkte anwenden, wenn mikrobielle und partikuläre Kontamination dort wichtig ist, etwa bei bestimmten Flüssigkeiten, Cremes oder Salben. Er muss dann dokumentieren, welche Grundsätze er anwendet.

Grundlage ist eine Kontaminationskontrollstrategie (Contamination Control Strategy, CCS) für die ganze Anlage. Sie begründet die Auslegung der Lüftung.

Reinheitsklassen A bis D

Annex 1 legt Höchstwerte für Partikel je Kubikmeter Luft fest, jeweils im Ruhezustand („at rest“) und im Betrieb („in operation“). Die Zahl der Messstellen richtet sich nach DIN EN ISO 14644-1.

Klasse≥ 0,5 µm, Ruhe≥ 0,5 µm, Betrieb≥ 5 µm, Ruhe≥ 5 µm, Betrieb
A3 5203 520nicht festgelegtnicht festgelegt
B3 520352 000nicht festgelegt2 930
C352 0003 520 0002 93029 300
D3 520 000vom Hersteller festzulegen29 300vom Hersteller festzulegen

Für Klasse D legt der Hersteller die Betriebsgrenzwerte risikobasiert selbst fest.

Druckkaskade

Strömung und Erholzeit

Qualifizierung und Requalifizierung

Qualifizierung. Annex 15 des EU-GMP-Leitfadens (gültig seit 1. Oktober 2015) beschreibt die Stufen von den Nutzeranforderungen (URS) über Design-, Installations- und Funktionsqualifizierung (DQ, IQ, OQ) bis zur Leistungsqualifizierung (PQ). Die Planungsunterlagen sind die Grundlage, gegen die geprüft wird.

Requalifizierung. Reinräume werden regelmäßig requalifiziert, mindestens mit diesen Prüfungen:

Höchstabstände: Klassen A und B 6 Monate, Klassen C und D 12 Monate.

Umbau im laufenden Betrieb

Wird ein Reinraum erweitert oder umgebaut, während daneben produziert wird, kommen drei Fragen dazu:

  1. Abgrenzung: Wie bleiben die laufenden Bereiche während der Bauzeit in ihrer Klasse? Das betrifft Bauabschnitte, provisorische Abschottungen und die Druckhaltung der Bestandsräume.
  2. Eingriffe in die Lüftung: Welche Anlagen versorgen beide Bereiche, und wann darf eingegriffen werden?
  3. Requalifizierung: Nach Änderungen ist erneut zu qualifizieren. Das gehört in den Bauzeitenplan, nicht ans Ende.

Checkliste für die Planung

Häufige Fragen

Seit wann gilt der neue Annex 1?

Seit dem 25. August 2023. Für einen einzelnen Punkt zur Gefriertrocknung (8.123) gilt der 25. August 2024.

Sind 10 Pa Druckdifferenz Pflicht?

Annex 1 nennt mindestens 10 Pa zwischen angrenzenden Räumen unterschiedlicher Klasse als Richtwert. Wo gefährliche Stoffe zurückgehalten werden müssen, sieht Annex 1 ausdrücklich abweichende Druckverhältnisse vor, etwa Schleusen mit Unterdruck. Grundlage ist die Risikobewertung in der Kontaminationskontrollstrategie.

Wie oft müssen Reinräume requalifiziert werden?

Klassen A und B höchstens alle 6 Monate, Klassen C und D höchstens alle 12 Monate. Außerdem nach Abhilfemaßnahmen und nach Änderungen an Anlage, Räumen oder Prozessen, soweit das Änderungsmanagement sie als wesentlich einstuft.

Quellen

  • EudraLex Volume 4, EU-GMP-Leitfaden, Annex 1 „Manufacture of Sterile Medicinal Products“ (2022), Abschnitte 1, 4.14, 4.23–4.32, Tabelle 1
  • EudraLex Volume 4, Annex 15 „Qualification and Validation“ (gültig seit 1. Oktober 2015)
  • DIN EN ISO 14644-1, Reinräume und zugehörige Reinraumbereiche – Klassifizierung der Luftreinheit anhand der Partikelkonzentration

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